Archiv des Autors: solidaritygreece

Kalavrita, 13. 12. 1943: Verdrängtes Massaker – Das schwerste deutsche Kriegsverbrechen in Griechenland

Freitag, 13. 12. 2013, 19.00 Uhr: Gedenkveranstaltung in der Werkstatt 3 (Seminarraum), Nernstweg 32-34, Hamburg

foto

Loukas Lymperopoulos (Studienrat, Lehrbeauftragter an der Universität Hamburg): Griechenland im Zweiten Weltkrieg, Diavortrag

Dr. Paraskevi Grekopoulou (Hamburger Solidaritätsgruppe Griechenland): Deutsche Besatzung in Griechenland 1941-1944 und heutige Austeritätspolitik: Wahrnehmungen und Deutungen

Angela Müller (Hamburger Solidaritätsgruppe Griechenland): Auszüge aus einem Augenzeugenbericht von Kalavrita

Lothar Zieske (Hamburger Solidaritätsgruppe Griechenland): Über die wirtschaftliche Zerstörung Griechenlands während der deutschen Besatzungszeit

Jan Krüger (AK Distomo): Fragen der Entschädigung

Griechische Lieder, gesungen von Sandra Leusath (Hamburger Solidaritätsgruppe Griechenland)

Lidice, Babi Yar und (nach dem Besuch des Bundespräsidenten Gauck) auch das französische Oradour, sind für die deutsche Öffentlichkeit vertraute Ortsnamen. Man verbindet damit schwere Verbrechen der deutschen Besatzungsmacht an der Zivilbevölkerung während des Zweiten Weltkrieges, gleichzeitig aber auch die offizielle Anerkennung dieser Verbrechen und die Wiedergutmachungsbemühungen seitens des deutschen Staates.

Kalavrita, Floria, Viannos, Distomo sind dagegen kaum bekannt. Sie sind nur vier von hunderten von Dörfern Griechenlands, wo die deutschen Besatzer Massaker an die Bevölkerung, auch an Frauen, Babies und alten Männern verübten. Die knapp vier Jahre, in denen Griechenland von Deutschland besetzt war, sind das grausamste Kapitel der neueren Geschichte des Landes. In kaum einemanderen von der Wehrmacht besetzten Land gab es, analog zur Einwohnerzahl, so viele menschliche Opfer, Ortszerstörungen und einen so großen wirtschaftlichen Schaden. Daher auch die massive griechische Resistance mit einer Nationalen Volksbefreiungsarmee, die zu den größten im besetzten Europa gehörte.

Die Ereignisse während der deutschen Besatzung in Griechenland sowie die langfristigen Folgen für das Land bleiben in Deutschland bis heute seltsam unausgesprochen, ein Umgang, der sich auffällig unterscheidet von demjenigen gegenüber anderen ehemals besetzten Ländern, wie den Staaten Osteuropas und Frankreich: Hier wird in Form von häufigen medialen Berichten, Dokumentationen, Publikationen, bilateralen Institutionen, Bundespräsidenten- oder Kanzlerbesuchen und öffentlichen Entschuldigungen die Verantwortung für die Kriegsverbrechen unmissverständlich übernommen und Erinnerungsarbeit geleistet. Was hindert den deutschen Staat, eine ähnliche Haltung für Griechenland zu zeigen?

Am 13.12.1943, vor genau 70 Jahren, wurden in Kalavrita und den umliegenden Dörfern mehr als 900 Männer von der deutschen Wehrmacht ermordet. Dieses Massaker gilt als das schwerste deutsche Kriegsverbrechen in Griechenland.

Eine explizite offizielle Entschuldigung Deutschlands fehlt bislang – trotz des Besuchs des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau im April 2000 in Kalavrita. Die Bestrafung der Täter blieb aus, auch jegliche Entschädigung der Hinterbliebenen wurde abgelehnt und damit eine Anerkennung für die Opfer verwehrt.

Wir, die Mitglieder der Hamburger Solidaritätsgruppe Griechenland, möchten in dieser Veranstaltung über die deutsche Besatzung in Griechenland informieren, diskutieren und im Rahmen unserer kleinen, bescheidenen Möglichkeiten, am 70. Jahrestag dieses Massakers, die Opfer von Kalavrita und die Opfer der vielen anderen griechischen Dörfer würdigen.

V.i.S.d.P.: Hamburger Solidaritätsgruppe Griechenland, c/o attac Hamburg, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg